Hochzeitstrends & Traditionen – und was man alles nicht braucht

Eine Hochzeit ist ein einmaliges und ungewöhnliches Ereignis im Leben. Nach der Entscheidung zu heiraten geht die aufregende Planungszeit los und viele beschäftigen sich zum ersten Mal im Leben mit dem Thema Hochzeit. Okay, manche haben auch schon seit fünf Jahren ihre Traumhochzeit auf Pinterest geplant und könnten morgen heiraten. Aber wenn man nicht zu dieser Sorte gehört, dann kann es ganz schön überwältigend sein was die Hochzeitsbranche derzeit so vorgibt. Besonders jetzt zum Jahresanfang liest man überall Artikel zu den Hochzeitstrends – was kommt, was geht, was bleibt und was muss man auf jedenfall haben. Auch wenn ich hiermit die Pointe dieses Artikels vorweg nehme, so ist meine Antwort: gar nichts. Man muss gar nichts auf einer Hochzeit. Ihr plant eine Hochzeit nicht für den Fotografen, einen Hochzeitsblog oder eure Familie. Ihr plant sie nur für euch, denn ihr wollt eure Liebe besiegeln und vielleicht mit euren Liebsten teilen (oder nur alleine zu zweit heiraten – auch das ist okay). Während einem überall immer gesagt wird, was man alles für eine gelungene Hochzeit braucht möchte ich euch heute mal sagen, was man meiner Meinung nach alles NICHT zwingend braucht oder machen muss.

Abnehmen oder sonstwie verändern

Ich kann diesen Punkt gar nicht genug hervorheben. Am liebsten würde ich alles in Großbuchstaben und fett schreiben, aber ich will euch auch nicht anschreien. Die „Schönheitsindustrie“ gibt uns – besonders Frauen – immer wieder vor wie wir auszusehen haben. Finde ich das schon im Alltag schrecklich, so ist bei Hochzeiten noch unangebrachter. Selbst in Magazinen und auf Hochzeitsblogs sieht man größtenteils nur sehr schlanke Bräute mit langen Haaren und ohne Brille. Im allerschlimmsten Fall bekommt man auch noch Werbung zu Abnehmmittelchen wie Shakes oder Pillen gratis obendrauf. Hört nicht auf diesen Bullshit! Jede Braut ist schön, egal welche Größe in ihrem Hochzeitskleid steht. Ihr habt außerdem die Liebe eures Lebens gefunden, die euch genauso liebt wie ihr seid. Verschwendet eure Gedanken und eure Zeit in der Hochzeitsplanung auf schöne Dinge, die euch Freude bringen. Hochzeitstorten verkosten zum Beispiel.

Das gilt natürlich auch für die Bräutigame unter den Lesern. Sogenanntes Bodyshaming macht nicht bei Frauen halt, auch Männer sind davon betroffen. Ob ihr nun einen Waschbär- oder Waschbrettbauch habt, ihr seid genau richtig so! Und weil wir grad dabei sind: Der Bart kann übrigens auch dran bleiben.

Das Gleiche gilt nicht nur fürs Abnehmen. Liebe zukünftige Bräute, ihr müsst euch auch nicht die Haare wachsen lassen nur um einer bestimmten Trendfrisur hinterherzueiern. Ihr müsst euch auch nicht büschelweise falsche Haare anklipsen an eurem Hochzeitstag. Man kann auch mit kurzen Haaren tolle Frisuren zaubern und wenn ihr „im echten Leben“ auch kurze Haare tragt und sie nach der Hochzeit wieder abschneidet, dann macht es erst recht keinen Sinn. Niemand erwartet von euch, dass ihr mit der Sissi-Gedächtnisfrisur auf eurer Hochzeit aufkreuzt. Lasst euch keinen Druck machen von außen.

Und was ihr schon gar nicht machen müsst ist Tattoos abdecken. Es gibt da so eine amerikanische Sendung wo ein Wunderwuzzi-Hochzeitsplaner kommt um auf den letzten Drücker aus einer crappy Hochzeit eine seiner Meinung nach perfekte Hochzeit zu machen (ich schaue das natürlich nur gelegentlich und rein aus beruflichen und informativen Gründen). Jeder Braut mit Tattoo gibt er den Tipp dieses abzudecken, zu überschminken oder ein Kleid zu wählen wo man möglichst wenig davon sieht? Hallo, geht’s noch?! Wir tätowierte Menschen haben viel Geld bezahlt und noch mehr Schmerz in Kauf genommen um so schöne bunte Haut zu haben und da will man verdammt nochmal soviel wie möglich davon zeigen.

Übrigens wäre ich auch für mehr Bräute mit Brille. Als Brillenträger kann ich sagen, dass die Brille ein Teil von mir ist und ich mich ohne ganz komisch, fast schon nackt fühle. Kontaktlinsen vertrage ich überhaupt nicht, da habe ich ständig das Gefühl mir die Augen reiben zu müssen. Wenn es euch genauso geht und die Brille einfach zu euch gehört, dann tragt sie auch an eurem Hochzeitstag.

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Traditionelles Hochzeitsoutfit

Wenn euer Traum immer schon war, einmal ein weißes Prinzessinnenkleid zu tragen, dann: go for it. Aber wenn weiß überhaupt nicht eure Farbe ist, ihr gar nicht tausende von Euro für ein einziges Kleid ausgeben wollt oder einfach generell nicht soviel von klassischen Traditionen haltet, dann zwingt euch niemand dazu in weiß zu heiraten. Ich habe viele Hochzeiten begleitet wo die Braut entweder gar kein Hochzeitskleid oder aber einfach ein helles Sommerkleid getragen hat. Hier gibt es kein richtig und falsch. Zieht an worin ihr euch wohl fühlt. Bunt, lang, kurz, schwarz oder weiß. Brautkleid oder Hosenanzug. Dirndl oder Tüllrock.

Das gilt natürlich übrigens auch für den Bräutigam. Ihr hasst Krawatten oder Fliegen oder generell alles was man sich um den Hals schnürt? Dann lasst es weg. Ihr heiratet im Hochsommer und es ist arschheiß? Dann zieht kurze Hosen an. Ihr seid generell nicht der Anzugtyp und würdet den ersten Anzug eures Lebens für diesen einen Tag kaufen um ihn gleich danach im Schrank vergammeln zu lassen? Dann kauft keinen. You get the point! Ich habe es leider schon (sogar mehrfach) erlebt, dass der Bräutigam doch recht unglücklich mit seiner Outfitwahl war und das schon am Hochzeitstag. Beim Shoppen war der Vater mit, der den Jungen in etwas Klassischem sehen wollte obwohl er das gar nicht ist. Oder der Verkäufer im antiquierten Herrenausstatter überredet einem zu etwas Altbackenen obwohl man lieber etwas Modernes getragen hätte. Niemand will sich am Hochzeitstag unwohl oder gar verkleidet fühlen. Denkt immer daran – es ist euer Tag und ihr müsst es niemanden recht machen außer euch selbst.

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Weiße Schuhe

Das Thema Brautschuh liegt mir so sehr am Herzen, dass es einen eigenen Punkt verdient. Wie auch bei dem restlichen Outfit gilt hier, dass man nicht etwas machen muss, nur weil das Label „Hochzeit“ dransteht. Wenn ihr im echten Leben auch keine entenschnabelförmigen Satinschuhe mit Oma-Absatz tragen würdet, warum dann an eurer Hochzeit? Ja, die Verkäufer in den Brautläden prangern die natürlich gerne als „die bequemsten Hochzeitsschuhe“ oder ähnliches an, aber zum einen stimmt das gar nicht und zum anderen gibt es auch noch andere bequeme Schuhe. Wenn ihr sonst auch keine 12cm-Absätze tragt, dann müsst ihr das auch an eurem Hochzeitstag nicht tun. In flachen Schuhen ist man ohnehin viel beweglicher und hält es außerdem länger aus. Von Ballerinas, über Sandalen bis hin zu gar nichts hatten „meine“ Bräute schon alles am Fuß. Die Schuhe müssen auch nicht weiß sein, sie können knallbunt, nude oder goldglitzernd sein. Wenn ihr euer Leben lang schonmal ganz besondere Schuhe von Louboutin, Jimmy Choo oder Manolo Blahnik haben wolltet, dann gönnt euch die natürlich gerne zur Hochzeit. Wenn ihr keinen dieser Namen jemals zuvor gehört habt, dann tragt einen no name Schuh. Oder wie wär’s mit Sneakers oder Boots?

PS: Nein, man färbt weiße Schuhe nach der Hochzeit nicht ein und trägt sie dann ja ständig wieder. Auch so ein Verkaufsargument für die „Hochzeitsschuhe“. Wenn ihr im Alltag keine weißen Entenschnabelschuhe tragt, dann werdet ihr auch keine blauen, gelben oder rosa Entenschnabelschuhe tragen. Just saying.

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Trends folgen

Auch in der Hochzeitswelt gibt es Trends. War vor wenigen Jahren das Thema „Vintage“ hoch im Kurs, so ist es zur Zeit „Boho“. Bo-was? mag sich der ein oder andere an dieser Stelle fragen. Und das ist auch voll okay. Wenn ihr davon noch nie etwas gehört habt, dann hat es auf eurer Hochzeit auch gar nichts zu suchen. Nur weil man zur Zeit überall pastellfarbene Blümchen in Schraubgläsern auf einer Holzplatte als Tischdeko sieht, heißt das nicht, dass ihr das auch braucht. Nur weil die Pantone Farbe des Jahres Greenery ist, muss nicht plötzlich alles grün sein. Wenn ihr eher so auf neonfarben und geometrische Formen steht, dann kann eure Deko auch genauso aussehen. Das gilt natürlich für alle Bereiche einer Hochzeit von den Blumen über das Outfit bis hin zur Zeremonie. Erlaubt ist, was gefällt – und nicht, was der Trend gerade vorgibt. Individualität ist sowieso am schönsten und wenn es auch noch eure persönliche Handschrift trägt, umso besser.

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Stuhlhussen

Okay, ich oute mich jetzt öffentlich: ich HASSE Stuhlhussen. Ich weiß, ich weiß – sie sollen den nötigen festlichen Touch verleihen und überhaupt. In Wahrhheit ist es jedoch so, dass viele Locations einfach keine schönen Stühle haben und da sind Stuhlhussen immernoch die bessere Alternative als rot gepolsterte Stapelstühle wie man sie in jedem trostlosen Seminarraum findet. Eine Location würde auch ihr wunderschönes (und vermutlich schweineteures) Mobiliar kaum unter langweiligen Stoff verstecken wollen. Es ist außerdem ein Irrglaube, dass eine Location oder ein Saal nicht festlich aussehen kann ohne diese Überziehdinger, die ausnahmslos auch nur in langweiligstem Weiß daher kommen. Es ist natürlich mein ganz eigener Geschmack und wenn ihr Stuhlhussen supermegaüberdrüber toll findet, dann ist das auch okay. Aber ich persönlich hoffe, dass die Dinger bald aussterben.

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Unpersönliche Trauung

Die Zeiten wo man nur die Wahl hat zwischen einer standesamtlichen und einer kirchlichen Trauung sind zum Glück vorbei. Wenn die Kirche aus persönlichen Gründen nicht in Frage kommt, einem die standesamtliche Trauung aber zuviel Notariatsakt ist (oder der letzte verfügbare Termin bei eurem Standesamt an einem Donnerstag um 9.30 Uhr ist), dann kann man eine freie Trauung planen. Wie der Name schon sagt, ist man hier als Hochzeitspaar frei von allen Vorgaben, Zwängen oder Konfesionen. Ihr könnt die Trauung an einem Tag, Ort und Zeit eurer Wahl abhalten. In der Dämmerung auf der Wiese, auf der eigenen Dachterrasse, mit den nackten Füßen im Sand und Blick auf das offene Meer, auf einem Berggipfel, im Riesenrad, unter Wasser, bei Sonnenaufgang über den Wolken, oder was für Ideen man auch sonst immer hat – nichts ist unmöglich, ihr macht die Regeln.

So eine freie Trauung wird im üblichen von einem professionellen Redner oder einer Rednerin durchgeführt. Viele sind auf Hochzeiten spezialisiert und nehmen sich sehr viel Zeit die Paare, ihre Familien und Freunde kennenzulernen und zu befragen um eine bewegende und sehr persönliche Trauung zu gestalten. Oft werden auch kleine Rituale eingebaut, die es noch spezieller machen. Einige der bewegendsten Hochzeiten, die ich erleben durfte (egal ob als Gast oder Fotograf) waren freie Trauungen.

Es spricht aber auch nichts dagegen, wenn der Redner aus den eigenen Reihen stammt. Ihr habt einen Freund oder Verwandten, der wortgewandt ist und gut vor einer Gruppe Menschen sprechen kann? Dann könnt ihr auch gemeinsam mit ihm oder ihr eine Zeremonie planen. Auch das habe ich bereits mehrfach erlebt und ist durch den noch persönlicheren Bezug garantiert sehr emotional. Wichtig ist aber auch hier die gute Vorbereitung und dass der Redner Spaß an dieser Aufgabe hat und sie auch ernst nimmt.

Einen ausführlichen Artikel zu dem Thema habe ich schonmal verfasst, ihr findet ihn hier: Was ist eigentlich eine freie Trauung?

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Alberne Spiele

Ihr wollt nicht Baumstamm sägen oder das Kutscherspiel spielen? Ihr wollt keine stundenlange Diashow die selbst die motiviertesten Hochzeitsgäste zum Einschlafen bringt? Oder peinliche Fragen beim Übereinstimmungspiel beantworten? Dann kommuniziert das einfach klar schon weit vor der Hochzeit. Natürlich sind individuelle Beiträge und persönliche Reden trotzdem gerne gesehen. Ihr könnt also auch eure Gäste bitten, ihre geplanten Beiträge erstmal durch den Trauzeugen-TÜV zu schicken oder einfach selbst ganz klar sagen wovon abzusehen ist. Manche Gäste haben vielleicht auch nur den Druck, dass sie etwas machen müssen weil man es eben so macht auf einer Hochzeit. Wenn sie dann hören, dass das gar nicht so erwünscht ist, fällt ihnen sogar die Last von den Schultern.

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Übertriebene Deko

Deko ist schön und gut, aber sie bestimmt nicht eure Hochzeit auch wenn Hochzeitsblogs und -magazine euch manchmal den Eindruck geben mögen. Natürlich werten Blumen und andere Dekoelemente jedes Fest auf, aber umgekehrt wird eine Hochzeit nicht weniger wertvoll oder schön nur weil weniger Deko vorhanden ist. Wenn ihr nicht so die Powerbastler seid und monatelang vor der Hochzeit jeden Abend mit Bastelschere und Klebepistole verbringen wollt, dann lasst es. Ihr mögt es eher schlicht und seid vom pragmatischen Typ. Dann stellt ein paar Blümchen auf den Tisch und gut ist’s. Wenn eine Location selbst schon gut wirkt, dann braucht es oft auch gar nicht mehr viel. Wenn ihr eine komplett leere Scheune für euer Fest mietet, dann könnte es natürlich unter Umständen etwas trostlos wirken ohne viel Deko. Diese Überlegungen könnt ihr auch in die Wahl eurer Location gleich einfließen lassen (ebenso wie die Sache mit den Stuhlhussen, hust hust).

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Alles haben oder machen

Viele Hochzeiten folgen den etwa gleichen Abläufen, aber das heißt nicht, dass das bei euch auch so sein muss. Ihr esst eigentlich gar nicht gerne Torte? Dann müsst ihr auch keine Hochzeitstorte anschneiden. Eure 27 Bridesmaides müssen nicht alle die gleichen Kleider tragen und mit wallendem Haar und Blumenkränzen vor euch herschreiten. Achja, ihr müsst auch gar keine Bridesmaides haben. Ihr wollt nicht in den drei Wochen Intensiv-Walzer-Tanzkurs gehen um dann schweißgebadet eine holprigen Eröffnungstanz hinzulegen? Dann lasst den Eröffnungstanz weg, schunkelt einfach nur ein wenig oder tanzt freestyle oder fangt einfach so an mit der Party. Oder habt keine Party wenn ihr lieber nur einen entspannten Abend mit Freunden und gutem Essen verbringen wollt. Man muss auch kein Strumpfband tragen, den Blumenstrauß werfen oder Hochzeitssuppe essen. Man braucht kein dezitiertes Hochzeitsfahrzeug um zur Trauung zu kommen. Das eigene Auto, das Taxi oder sogar die U-Bahn tun’s auch. Ihr müsst euch nicht voneinander getrennt am Hochzeitstag fertig machen. Nein, es bringt kein Unglück wenn man sich vor der Trauung schon sieht (man hat sich die letzten Jahre ja auch jeden Tag schonmal gesehen). Man könnte sogar noch einen Schritt weitergehen und auch das Hochzeitsoutfit (ohja, auch das Kleid) zusammen aussuchen. Ihr könnt auch nachmittags mit euren Freunden grillen oder im See schwimmen und danach heiraten oder erst Abendessen und um Mitternacht bei Kerzenschein heiraten. Kurz gesagt: Macht einfach worauf ihr Bock habt. Klingt eigentlich ganz einfach, oder?

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Fazit: Bleibt euch selbst treu und habt Spaß – der Rest kommt von selbst! Wer noch ein wenig Inspiration sucht oder nicht glauben kann, dass es auch anders geht, dem kann ich den wundervollen englischen Blog Rock’n’Roll Bride wärmstens ans Herz legen.

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