Über die Nachhaltigkeit bei Hochzeiten #bigfatgreenwedding

Ich fotografiere nun schon eine ganze Weile Hochzeiten und ich liebe meinen selbstgewählten Beruf natürlich, aber ich setze mich auch kritisch mit Hochzeiten und der Branche auseinander. Zum Thema „Was man alles nicht braucht auf Hochzeiten“ habe ich vor einiger Zeit schon einen sehr ausführlichen Blogartikel geschrieben. Heute möchte ich mich einem anderen Thema widmen, das mir persönlich sehr am Herzen liegt: die Nachhaltigkeit.

Diesmal möchte ich euch zeigen, dass man nicht im Kartoffelsack den Mittelgang entlangschreiten muss, wenn man an seinem Hochzeitstag ein wenig auf die Umwelt achten möchte. Es geht aber auch gar nicht darum, als umweltbewusstes Paar den Druck zu haben, eine zero-impact Hochzeit zu feiern. Man kann jedoch hier und da die ein oder andere rücksichtsvolle und nachhaltige Idee in die Hochzeit einbauen und sich dabei selbst treu bleiben. Es gibt auch stylische und coole Alternativen zu den gängigen Hochzeitstrends und ihr könnt easy peasy eine big, fat green wedding feiern. Ein paar Denkanstöße möchte ich heute dazu liefern.

Luftballons

Ich weiß, es ist eine hübsche Sache Ballons in die Luft steigen zu lassen und es ist auch etwas, das alle Hochzeitsgäste gemeinsam machen können. Gerne werden damit auch gute Wünsche oder Postkarten losgeschickt, die der Finder an das Hochzeitspaar zurückschicken soll. Diese Ballons fliegen aber natürlich nicht unendlich und verschwinden dann auf magische Weise im Weltall – die kommen irgendwann und irgendwo wieder runter. Im Wald, im Meer, auf Wiesen, in Bäumen. Dort gefährden sie Flora und Fauna und verschmutzen die Umwelt stark. Sie sind aus Gummi, Kautschuk oder sogar Plastik. Letzteres heißt, sie bleiben auch verdammt lange da. Es dauert bis zu 500 Jahre bis Plastik verrottet, mehr als 100 Millionen Tonnen Plastikmüll treiben im Meer umher, in vielen Regionen der Ozeane gibt es bis zu 60 mal mehr Plastik als Plankton, jährlich sterben mehr als 100.000 Meerestiere weil Plastik ihren Lebensraum verschmutzt. Auch Naturkautschuk ist nicht ungefährlich, denn viele Tiere essen die abgestürzten Balloons und verenden daran. Zusätzlich sind die Verschlüsse und Schnüre so gut wie immer aus Plastik.

Und wenn ihr jetzt denkt „Die paar Ballons – was macht das schon?“, dann schauen wir uns mal die Zahlen an: Alleine in Deutschland werden etwa 400.000 Ehen jährlich geschlossen, nehmen wir mal an jede zehnte Hochzeit lässt Ballons steigen und rechnen wir mit einem Schnitt von 30 Ballons pro Hochzeit – so macht das 1,200,000 Ballons (in Worten: eine Million zweihundert Tausend!!!!). Und das nur in Deutschland.

Was könnte man stattdessen machen? Postkarten an die Gäste verteilen, die sie dann in einer bestimmten Kalenderwoche an das Brautpaar schicken (statt gute Wünsche an die Luftballoons zu hängen in der Hoffnung jemand sendet diese zurück) oder schlicht und ergreifend gar nichts. Kommuniziert auch an Hochzeitsplaner und die Gäste, dass Ballons unerwünscht sind. Denn oft sind Ballons gar keine Idee des Hochzeitspaares sondern eine (ach so individuelle!) Überraschung von Gästen.

PS: So geil ist Luftballons steigen lassen eigentlich auch gar nicht wenn man mal drüber nachdenkt. Man starrt einem Stück Gummi hinterher, das wegfliegt. Aufmerksamen Bloglesern ist vielleicht auch aufgefallen, dass ich schon lange keine Fotos der Ballonsteige-Aktionen mehr auf meinem Blog zeige (obwohl ich es natürlich oft fotografiert habe), um den Bedarf danach nicht noch zu steigern.

PPS: Jedesmal wenn Luftballons auf Hochzeiten in den Himmel fliegen, stirbt irgendwo ein Einhorn!

Hochzeitslocation

Die Hochzeitslocation gibt oft schon den Style und die Art der Hochzeit vor und es gibt viele Möglichkeiten ein wenig auf die Nachhaltigkeit zu achten ohne Kompromisse machen zu müssen oder am Stylefaktor zu sparen. Am energiesparendsten ist es zum Beispiel draußen zu heiraten wo das Sonnenlicht für Helligkeit und Wärme sorgt. Viele Locations bieten diese Möglichkeit an, sodass man trotzdem alle Annehmlichkeiten hat, die eine Hochzeit eben so braucht. Natürlich ist das in Deutschland (besonders hier im Norden) oft einfacher gesagt als getan und einen Plan B zu haben schadet nicht. Fast alle Locations bieten auch ein Zelt oder einen Raum an, in dem die Hochzeit bei Schlechtwetter stattfinden kann.

Am besten man wählt auch eine Location an der alles von den Vorbereitungen bis zur Party stattfinden kann, so müssen gar nicht erst alle Gäste lange herumfahren. Das hat nicht nur den Vorteil, dass natürlich die Umwelt massiv geschont wird sondern auch dass der Tag entspannt ist und man sich nicht darum kümmern muss alle Gäste von A nach B zu bekommen. Eine andere Möglichkeit wäre noch in Eco-freundlichen Hotels zu feiern von denen es immer mehr überall in Europa gibt. Oder man feiert einfach im heimischen Garten. Mit ein bisschen Kreativität findet sich immer eine umweltfreundliche Alternative.

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Essen & Catering

Das Essen ist das Higlight jedes Abends und nur weil man dabei auf Nachhaltigkeit achten möchte, muss man keine Geschmackseinbußen hinnehmen. Man kann man auf saisonale und lokale Bio-Produkte zurückgreifen, das schmeckt lecker und ist besser für die Umwelt. Wenn ihr ernsthaft euren CO2-Fußabdruck so klein wie möglich halten wollt, dann wählt ein vegan-freundliches Menü. Wir alle wissen mittlerweile dass Fleisch deutlich mehr Energie und Resourcen verbraucht als Gemüse. Und wer hat schon etwas gegen ein leckeres Nudelgericht mit frischem Gemüse und leckerer Sauce (ich erinnere mich da an gefüllte Ravioli mit Kürbisfüllung, frischem Basilikum und Trüffelöl z.B.) Versucht importierte Lebensmittel und Lebensmittel, die gerade keine Saison haben, unbedingt zu vermeiden.

Schön wäre auch, wenn nicht soviel Hochzeitsessen im Müll landet und nicht viel mehr vorbereitet als tatsächlich gegessen wird. Das gilt auch für die Torte, lieber eine kleine und feine Torte mit guten Bio-Zutaten wählen als die übriggebliebene Hälfte am nächsten Morgen lieblos zu entsorgen. Und statt dem Mitternachtssnack könnte man die Reste vom Buffett anbieten, denn da bleibt immer etwas übrig und wer nachts bei der wilden Party nochmal Hunger bekommt, kann davon essen.

Ich war sogar schon auf Hochzeiten, da konnte man sich am Ende vom Buffet einpacken und mitnehmen was man wollte. Ich habe mir die bereitgestellten Pappboxen randvoll gefüllt und mich am nächsten Tag mega über das leckere Essen und die schöne Erinnerung an den Hochzeitstag gefreut.

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Tischdecken & Stuhlhussen

Tischdecken und Stuhlhussen machen viel Arbeit und verbrauchen viel Energie, denn sie müssen gewaschen und gebügelt werden. Meist werden sie dazu auch noch per Auto weite Strecken zwischen Location und Wäscherei transportiert. Wenn man ganz einfach auf diese verzichtet, hat man schon ein wenig für die Umwelt getan ohne wirklich etwas tun zu müssen. Schöne Holztische und Stühle sehen ohnehin viel besser aus als diese steril-weißen Stoffüberzüge überall. Wenn man möchte, kann man die Tische noch mit ein wenig Jute oder Spitze aufhübschen, ein paar Blümchen tun den Rest.

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Blumen

Fragt in eurem Blumenladen des Vertrauens nach saisonalen, regionalen Bio-Pflanzen. Dass es im Winter keine Pfingstrosen gibt leuchtet ein, dafür gibt es andere schöne Alternativen und ein guter Florist hat auch immer kreative Ideen passend zu jedem Hochzeitskonzept zu jeder Jahreszeit. Wenn ihr Schnittblumen gar nicht sexy findet, gibt es auch andere Alternativen wie z.B. selbstgebastelte Blumen aus Papier, Kräutertöpfe, Succulenten in kleinen Töpfchen und vieles mehr.

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Outfits

Das Hochzeitskleid ist der heilige Gral aller Outfits ever, aber auch hier kann man auf die Nachhaltigkeit achten indem man z.B. ein Second-Hand / Vintagekleid nimmt und dieses evtl. vom Schneider nochmal aufhübschen lässt. Falls vorhanden, kann man das auch mit dem Hochzeitskleid der Mutter, Oma oder Tante machen. Das hat gleichzeitig noch einen wundervollen sentimentalen Wert. Danach kann man es weitergeben, damit andere noch eine Freude damit haben.

Wenn man ein neues Kleid kauft, kann man auf die verwendeten Materialien achten, Biostoffe wählen und lokale Brautlabels vorziehen, die in ihren eigenen kleinen Ateliers mit viel Liebe nähen anstatt das Kleid von weit her einfliegen zu lassen. Oder man wählt ein Kleid, das man auch danach noch tragen kann wie zB ein Sommerkleid. Viele „meiner“ Bräute haben nicht in traditionellen Hochzeitskleidern geheiratet, sahen aber trotzdem überaus bezaubernd aus.

Gleiches gilt natürlich auch für alle anderen Outfits bei einer Hochzeit, sei es der Herrenanzug oder der Jumpsuit (nicht jede Braut möchte automatisch ein Kleid tragen) oder die Schuhe. Man kann auch Kleider und Anzüge ausleihen, denn mehr als einmal trägt man sie ja ohnehin selten.

Auch als Gast muss man sich nicht für jede Hochzeit ein neues Outfit kaufen, man kann einfach etwas anziehen dass man schon im Schrank hat und sogar mehrfach dasselbe tragen zu verschiedenen Hochzeiten. Lieber ein schönes (am besten fair produziertes) Outfit besitzen als viele verschiedene, die auf Kosten anderer (meist Frauen und Kinder) in Billiglohnländern hergestellt werden. Second Hand geht natürlich auch immer, oft entdeckt man dabei sogar noch ein individuelles vintage Stück das sich schnell zum Liebling im Kleiderschrank entwickelt.

Und ein Hochzeitskleid muss auch nicht unbedingt aus Seide sein, denn dabei wird oft vergessen, dass dafür unzählige Tiere sterben müssen. Seide ist eine tierische Faser aus dem Kokon der Raupen des Seidenspinners. Um an die feine Faser zu gelangen, werden die Seidenraupen extra gezüchtet und dann mit ihrem Kokon lebend in kochendes Wasser geworfen und getötet. Außerdem leiden die Seidenbauern unter schlechten Bedingungen und werden oft unterbezahlt.

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Eheringe

Der Ring ist ein schönes Symbol für die Ehe und der Moment des Ansteckens ein Höhepunkt jeder Zeremonie. Auch hier gibt es unzähliche Möglichkeiten auf die Nachhaltigkeit zu achten indem man etwa Gold und andere Materialien aus fairer Herkunft wählt. Auch bei den Ringen kann man lokale, kleine Anbieter vorziehen. Dieser mit viel Liebe produzierte Schmuck ist ohnehin viel schöner als anonyme Massenanfertigungen. Wenn ihr Altgold (etwa von Oma oder Mama) zuhause rumliegen habt, kann man das einschmelzen und neue Ringe daraus machen lassen. Oder wie wäre es mit alternativen Materialien wie Holz? Oder für die ganz wilden unter den Hochzeitspaaren wäre auch ein Hochzeitstattoo (muss auch nicht auf dem Finger sein) statt Schmuck möglich. Man munkelt sogar, dass eine Ehe auch ganz ohne Ringe gültig ist. Wenn ihr sonst auch keinen Schmuck tragt, dann ist der Ehering auch nicht zwingend notwendig.

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Papeterie

Millionen von Bäume werden jährlich gefälllt um Papierprodukte daraus zu produzieren und die Herstellung eben dieser belastet die Umwelt enorm. Natürlich finde ich es auch wunderschön die Hochzeitseinladung auf dem guten, alten Postwege zu bekommen aber für Save-the-Dates könnte man z.B. papierlose Varianten wählen – ein Video hochladen, ein digitales Foto per Mail verschicken oder ganz old school: anrufen.

Für die restliche Papeterie könnte man Anbieter wählen, die recycletes Papier und pflanzenbasierte Farbe verwenden. Es gibt mittlerweile sogar schon pflanzbares Papier, das mit Blütensamen versehen ist. So können es die Gäste im Garten, auf dem Balkon oder sogar in einem Blumentopf einpflanzen und es wachsen dann Blumen oder Kräuter daraus. Die Vorstellung ist irgendwie auch viel netter als das trostlose Ende der Einladungen im Mülleimer. Zu finden gibt’s solche Einladungen z.B. bei Kissloud

Auch wenn es um die Tisch- bzw. Platzkarten geht, kann man kreativ werden. Ich hab schon viele gute Ideen auf Hochzeiten selbst gesehen: bemalte Steine oder Treibholz, das gesammelt wurde oder wiedervewendbare Servietten mit eingestickten Namen (die gleichzeitig auch das Gastgeschenk waren) Handgeschrieben, -gezeichnet oder – gestempelt auf eco-freundlichem Papier spart natürlich auch eine Menge Energie und Müll. Oder eine ganz verrückte Idee: gar keine Sitzordnung und somit keine Platzkarten. Solange Stühle für alle da sind, werden alle einen Platz zum sitzen finden. Hier gibt es viele Möglichkeiten kreativ zu werden und gleichzeitig die Umwelt ein wenig zu schonen. Win-Win, oder?

Deko

Vieles wird extra für eine Hochzeit angeschafft. Vieles davon braucht man danach nie wieder, schon gar nicht in hundertfacher Menge. Das Zeug landet auf dem Müll oder auf dem Dachboden wo es einfach vergessen wird. Leiht euch Dinge von Freunden, Verwandten oder einem Dekoverleih. Oder schaut mal was man zuhause alles schon hat und für die Deko verwenden könnte. Wenn man zb viele Flaschen oder Gläser mit Blumen und Kerzen auf Tischen verteilen will, sammelt leere Gläser (von Aufstrichen, Marmeladen, Getränken, etc.) bis zu eurer Hochzeit. Wenn ihr zu den ambitionierten Hobbybastlern zählt, könnt ihr auch viel Deko selbst basteln – zB leere Konservendosen besprühen oder mit Stoff verzieren oder alte Bücher vom Flohmarkt umgestalten. Statt übertriebener Deko könnte man auch Kräutertopfe auf den Tisch stellen, die nicht nur hübsch aussehen sondern auch gleich zum Würzen des Essens dienen. Je schöner die Location von selbst schon ist, umso weniger Deko wird dafür benötigt.

Ich bin ja sowieso ein Anhänger der „weniger ist mehr“ Bewegung. Und mal ganz ehrlich – wer erinnert sich denn in 10 Jahren noch an die Deko bei einer Hochzeit? Man erinnert sich an das Gefühl, die Menschen und Begegnungen.

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Strohhalme & Einmalgeschirr

Bunte Strohhalme in Drinks sehen natürlich toll aus, aber leider sind diese auch meist aus Plastik und werden nach dem einmaligen Gebrauch entsorgt. Gleiches gilt für Plastikbecher, Plastikbesteck und ähnliches. Stattdessen kann man wiederverwendbare Strohhalme (zB. aus Edelstahl) oder Papierstrohhalme verwenden, aus Glasflaschen und Gläsern trinken statt aus Papp- oder Plastikgläsern. Hier zeigt sich ein weiterer Vorteil wenn der ganze Hochzeitstag am selben Ort stattfindet: man muss sich gar nicht erst darum kümmern nach der Trauung etwas zum Anstoßen mitzuschleppen weil man nicht an der eigentlichen Location ist.

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Konfettikanonen

Besonders in den letzten Jahren hat sich der Trend der Konfettikanonen durchgesetzt. Gefüllte Rohre mit Druckluftpatrone die dann glänzendes Konfetti mit einem lauten Knall in die Luft schießen. Ich gebe zu, es sieht schön aus auf Fotos und hat einen tollen Effekt, aber das Konfetti ist aus Plastik, landet meistens auch wieder in der Natur und die Verpackung der Dinger ist auch recht umweltunfreundlich. Der Effekt dauert nur einige wenige Sekunden, aber das Konfetti verrotet quasi nie und wird zur Bedrohung von Flora und Fauna.

Stattdessen könnte man Blütenblätter oder Lavendel werfen – sieht schön aus, riecht gut und ist absolut umweltverträglich. Fragt einfach mal beim Floristen nach, der kann euch bestimmt Tipps geben. Es gibt auch pflanzbares Konfetti, das kann man draußen werfen und einfach liegen lassen und daraus wachsen dann nach einiger Zeit schöne Blumen. Zu finden beispielsweise auf www.paperblooms.de

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