Was ist eigentlich eine freie Trauung?

 

Als meine Freundin Sabrina letztes Jahr einen Heiratsantrag von ihrem Stefan bekommen hat, durfte ich live dabei sein und mich zusammen mit den beiden freuen. Kurz darauf gingen die Hochzeitsvorbereitungen los und alles war neu und spannend. Sabrina erzählte mir ganz aufgeregt, dass sie schon einen Termin am Standesamt hätten: Freitag um 10.30 Uhr. Ich stotterte nur vor mich hin und meinte ziemlich direkt „Ähhhhhh, ich würde das nicht so machen“ und schob aber gleich ein „Warum macht ihr nicht eine freie Trauung?“ hinterher. Ihre verdutzte Antwort war: „IM APRIL?!“ Ich erklärte ihr daraufhin erstmal, dass eine freie Trauung nichts damit zu tun hat, dass die Trauung im Freien stattfindet sondern dass es sich dabei um eine konfessionsfreie und auch von sonstigen Zwängen und Vorgaben befreite Zeremonie handelt.

Dieser Vorfall hat mir gezeigt, dass außerhalb unserer Hochzeitsblase freie Trauungen noch lange nicht soweit verbreitet oder bekannt sind wie wir Hochzeitsdienstleister denken. Viele denken vermutlich immer noch, dass es nur zwei Möglichkeiten für Hochzeiten gibt – nämlich Standesamt oder Kirche. Oft kommen die Eheleute aber aus zwei Kulturen oder Religionen und daher ist eine kirchliche Trauung gar nicht möglich. Auch gleichgeschlechtliche Paare können nicht kirlich heiraten. Und auch wenn man mittlerweile auch außerhalb der Amtsräume an schöneren Orten standesamtlich heiraten kann, so ist und bleibt es letztendlich ein Rechtsakt, der oft wenig Spielraum für individuelles oder alternatives zulässt und in zehn Minuten erledigt ist. Entscheidend ist also nicht nur der Ort und die Zeit der Trauung sondern vor allem der Inhalt. Und wieviele Hochzeiten in Kirchen habe ich schon erlebt, wo das Brautpaar nicht besonders gläubig war, aber den Rahmen einer standesamtlichen Hochzeit zu unspektakulär fand. Das kann ich natürlich absolut nachvollziehen und daher lege ich allen zukünftigen Hochzeitspaaren hiermit nochmal die freie Trauung ans Herz. Wie der Name schon sagt, seid ihr als Hochzeitspaar hier frei von allen Vorgaben, Zwängen oder Konfesionen. Ihr könnt die Trauung an einem Tag, Ort und Zeit eurer Wahl abhalten. In der Dämmerung auf der Wiese, auf der eigenen Dachterrasse, mit den nackten Füßen im Sand und Blick auf das offene Meer, auf einem Berggipfel, im Riesenrad, unter Wasser, bei Sonnenaufgang über den Wolken, oder was für Ideen man auch sonst immer hat – nichts ist unmöglich, ihr macht die Regeln. (Und wenn ihr besonders abgefahrene Ideen habt – dann vergesst nicht mir Bescheid zu sagen!)

So eine freie Trauung wird im üblichen von einem professionellen Redner oder einer Rednerin durchgeführt. Viele sind auf Hochzeiten spezialisiert und nehmen sich sehr viel Zeit die Paare, ihre Familien und Freunde kennenzulernen und zu befragen um eine bewegende und sehr persönliche Trauung zu gestalten. Oft werden auch kleine Rituale eingebaut, die es noch spezieller machen. Einige der bewegendsten Hochzeiten, die ich erleben durfte (egal ob als Gast oder Fotograf) waren freie Trauungen. Hier im Norden kann ich zum Beispiel Imke Klie, Wertvolle Worte, Free Eve oder Josephine Steinecke empfehlen, um nur einige zu nennen. Natürlich gibt es hier und auch in vielen anderen Orten gute Redner und die ausführliche Recherche nach dem oder der richtigen ist besonders wichtig.

Es spricht aber auch nichts dagegen, wenn der Redner aus den eigenen Reihen stammt. Ihr habt einen Freund oder Verwandten, der wortgewandt ist und gut vor einer Gruppe Menschen sprechen kann? Dann könnt ihr auch gemeinsam mit ihm oder ihr eine Zeremonie planen. Auch das habe ich bereits mehrfach erlebt und ist durch den noch persönlicheren Bezug garantiert sehr emotional. Wichtig ist aber auch hier die gute Vorbereitung und dass der Redner Spaß an dieser Aufgabe hat und sie auch ernst nimmt.

Weil die deutsche Bürokratie auch vor Hochzeiten nicht Halt macht, muss man trotzdem noch auf dem Standesamt heiraten um eine rechtsgültige Verbindung einzugehen. In anderen Ländern der Welt ist das nicht so, da ist auch eine freie Trauung rechtsgültig. Viele Paare gehen dann einfach unter der Woche morgens in Jeans und T-Shirt aufs Amt, unterschreiben und machen gar kein großes Fass auf deswegen. Die freie Trauung ist dann eben „die richtige Hochzeit“ mit allen Freunden und Verwandten, die man dabei haben möchte.

Um wieder auf meine Freunde Sabrina und Stefan zurück zu kommen: Kurz nachdem klar war, dass es eine freie Trauung in einem alten Loft-Fotostudio werden soll, kam natürlich die Frage der zukünftigen Braut auf „Und wer traut uns dann bitte?“ Ein wenig schüchtern, aber doch mit voller Überzeugung stotterte ich ein „Naja… ich muss ja gestehen… ich wollte das ja auch immer schon mal machen….“ Ich konnte gar nicht weitersprechen, denn Sabrina meinte sofort überschwenglich „Super! Dann machst du das also“. Ein kleiner Blick zum zukünftigen Bräutigam Stefan neben ihr, der nur beipflichtend nickte, besiegelte die Sache.

Und schon dieses Wochenende ist es soweit – nach wochenlanger Vorbereitung und ein paar kürzeren Panikattacken werde ich die erste (und vermutlich einzige und letzte) Trauzeremonie meines Lebens halten. Drückt mir die Daumen!

Das wäre hier ja kein Fotoblog ohne Fotos, deshalb zeige ich euch noch ein paar Bilder von vergangenen freien Trauungen, die ich begleiten durfe.

Saara und Falk entschieden sich für eine freie Trauung auf der „Flunder“ – einem Steg über dem Meer an der Ostsee:

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Van An und Gregor heirateten an einem heißen Sommertag unter schattenspendenden Schirmen in den Weinbergen mit Blick auf Wien:

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Bei Shira und Stefan’s deutsch-türkischen Hochzeit am Strand von Sylt entgingen wir nur knapp dem Regenschauer (von dem kleinen FKK-Problem erzähl ich jetzt aber lieber nix):

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Linda und Tobias afrikanisch-deutsche Hochzeit fand in Kalifornien statt. Also nicht was ihr jetzt denkt, das Kalifornien an der Ostsee (ja, das gibt’s wirklich!). Aber mit dem türkisblau glitzerndem Meer und dem fast schon weißen Sandstrand konnte man auch denken man sei in der Karibik (okay, Kalifornien liegt nicht in der Karibik – aber ihr wisst was ich sagen will):

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Beny und Dominik’s Hochzeit am Strand von Rügen war ein Traum in rosarot. Der knallblaue Himmel passte perfekt dazu:

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Annie und Ihno’s Boho Hochzeitstraum fand im Garten der Eltern statt. Die Gäste nahmen auf Strohballen Platz und Schuhe waren keine Pflicht. Durch die Zeremonie führte eine gute Freundin des Paares:

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And die Hochzeit von Julia und Michael erinnere ich mich heute noch genau. Nicht nur weil die beiden total verrückt und cool waren sondern auch weil es bei der Trauung am Strand einen ganz besonderen Moment während der Zeremonie gab, nämlich als alle Gäste miteinander verbunden waren und dem Brautpaar Energie schickten. Klingt jetzt vielleicht komisch, war es aber gar nicht. Ich liebe es, wenn in freien Trauungen besondere und einzigartige Rituale vorkommen, besonders wenn die Gäste mit einbezogen werden:

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Alexandra und Christian heirateten am heißesten Sommertag des Jahres im Garten der Feierlocation direkt an einem Teich. Die Trauung war locker und ergreifend zugleich, kaum ein Auge blieb trocken. Hosenlose Kinder und Hunde wuselten durch die gerührte Hochzeitsgesellschaft während der Onkel durch die Zeremonie führte:

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Auch Kim-Chi und Roberts vietnamesisch-deutsche Hochzeit fand im Garten der Feierlocation in Hamburg statt. Die Familien wurden direkt in die Zeremonie eingebunden, sagten ein paar Worte oder machten Musik. Das war ein fröhliches multikulti Fest:

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5 notes + Add comment
  • Kathrin Wenzel

    on April 19, 2016  21:22

    Hallo Paola,

    du hast einen wunderschönen Artikel über freie Trauungen geschrieben. Ja, ich bin auch immer wieder überrascht, dass diese Art, sich ein sehr persönliches JaWort zu geben, doch noch recht unbekannt ist. Auf der anderen Seite erhalte (nicht nur) ich immer mehr Anfragen und das immer früher (und gehäuft für ganz bestimmte, magische - wie ich sie inzwischen nenne - Wochenenden).

    Ich hoffe, wir arbeiten mal wieder zusammen!

    Herzliche Grüße von der Traurednerin
    Kathrin Wenzel

  • Julia Bollwerk

    on April 23, 2016  15:09

    Oh ja, wir haben auch eine freie Trauung gehabt und es war so perfekt, weil es so wir war. Kitschig, romantisch, lustig, entspannt.
    Als Ort haben wir einen ehemaligen Wasserturm gewählt, der oben eine Glaskuppel hat. Im März haben wir uns Open Air nicht getraut.... Obwohl wir tatsächlich 24° und strahlende Sonne hatten.

    Falls du mal gucken magst, ich geb so gerne mit unseren Bildern an
    http://www.kaersch.de/hochzeitsfotograf/2014/hochzeitsfotograf-solingen-julia-und-joerg-im-steinhaus-bahnhof-solingen/

  • Tatjana

    on April 24, 2016  13:50

    Wir werden in einem Planetarium heiraten. Auch eine Möglichkeit der freien Trauung! :)

    Viele Grüsse
    Tatjana

  • Kai

    on Mai 9, 2016  16:32

    Unsere freien Trauungen waren bisher echt immer im Freien, ich glaube da ist doch ein Funken Wahrheit im Wort "frei" drin :D

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